Wissenswertes
Speyer und das Zeitalter der Reformation
Auf dem Reichstag von 1529 protestierten sechs evangelische Fürsten und vierzehn Reichsstädte gegen die Beschlüsse der katholischen Mehrheit. Aus dieser "Speyerer Protestation" entstand der Begriff "Protestanten". Die Gedächtniskirche, fertiggestellt 1904, erinnert bis heute an das Ereignis.
Im 16. Jahrhundert wurde Speyer zu einem zentralen Schauplatz der Reformation. Fünf von 30 Reichstagen des Jahrhunderts fanden im mittelalterlichen Speyer statt, das Reichskammergericht hatte hier ab 1527 seinen Sitz. Beschlüsse aus Speyer prägten den Lauf der konfessionellen Auseinandersetzungen im ganzen Reich.
Reichstage 1526 und 1529
Auf dem Reichstag von 1526 wurde den Reichsständen zugestanden, in Glaubensfragen bis zu einem zukünftigen Konzil eigenständig zu verfahren. Das war faktisch eine vorläufige Duldung der reformatorischen Lehre in evangelischen Gebieten.
Auf dem Reichstag von 1529 sollte diese Konzession zurückgenommen werden. Sechs evangelische Fürsten und Vertreter von 14 Reichsstädten reichten eine förmliche Protestation gegen den Mehrheitsbeschluss ein. Aus diesem Akt entstand der Begriff Protestanten für die Anhänger der Reformation. Speyer hat damit der größten Glaubensbewegung der Neuzeit den Namen gegeben.
Die Gedächtniskirche der Protestation, eingeweiht 1904, erinnert mit ihrem neugotischen Turm bis heute an dieses Ereignis.
Einführung der lutherischen Lehre
Schon in den 1520er Jahren waren reformatorische Gedanken in Speyer populär. 1540 wurde mit Michael Diller der erste evangelische Pfarrer angestellt, kurz darauf nahm die Stadt offiziell den lutherischen Glauben an. Kirchen wurden umgestaltet, Predigten in deutscher Sprache und das Gemeindelied prägten den neuen Gottesdienst.
Eine starke antiklerikale Stimmung in der Bevölkerung beschleunigte die Reformation. Sogar Speyerer Bischöfe hatten zuvor den Lebenswandel des Klerus kritisiert und damit unfreiwillig der Erneuerung den Weg bereitet.
Tri-konfessionelle Stadt
Trotz des lutherischen Übergewichts blieb das katholische Leben präsent: Jesuiten, Domkapitel und das katholisch dominierte Reichskammergericht hielten die alte Konfession lebendig. Auch eine kleine calvinistische Gemeinde existierte. Damit war Speyer zeitweise eine tri-konfessionelle Stadt, in der drei christliche Konfessionen nebeneinander lebten, mit allen Spannungen, die das mit sich brachte.
Die jüdische Gemeinde, ab 1621 wieder fassbar, umfasste zu Beginn rund 60 Personen und verfügte über Synagoge, Mikwe und Friedhof — der Judenhof zeugt heute davon als Teil des SchUM-Welterbes.
Speyer im Reichsgefüge
Die Stadt war in der Frühen Neuzeit aktiv in der Reichspolitik: Sie nahm regelmäßig an Reichstagen teil, gehörte zur rheinischen Bank der Reichsstädte und unterhielt diplomatische Beziehungen zu anderen Städten. Ende des 15. Jahrhunderts wurde in Speyer die Registratur der rheinischen Städtegruppe eingerichtet, was die Stadt zu einem administrativen Zentrum der Städtepolitik machte.
Mit dem Westfälischen Frieden 1648 erhielten die Reichsstädte das Gesandtenrecht, eine wichtige Grundlage für die diplomatischen Aktivitäten Speyers bis zum Ende des Alten Reichs.
Konfessionelle Struktur um 1600
Rat und Bürgerschaft waren nach der Reformation überwiegend lutherisch. Ein Bericht von 1576 spricht von nur 30 katholischen Laien in der Stadt. Die katholische Minderheit erlebte durch die Gegenreformation eine gewisse Stärkung, vor allem durch Jesuiten und Domgeistlichkeit. Das Zunftbürgertum, also Bäcker, Müller, Fischer und Gärtner, bildete den größten Teil der Einwohnerschaft.
Langfristige Folgen
Die Reformation prägte Speyer religiös, politisch und gesellschaftlich. Die konfessionellen Spannungen wurden zu einer der Triebkräfte des Dreißigjährigen Krieges, der die Stadt schwer treffen sollte. Auch die Hexenverfolgung gewann in dieser Epoche an Brisanz. Mit der Mediatisierung 1803 verlor Speyer endgültig den Status als Freie Reichsstadt. Die religiöse Vielfalt aus der Reformationszeit aber hat das Selbstverständnis der Stadt bis heute geprägt.
Häufig gestellte Fragen
Was war die Speyerer Protestation?
Die Protestation von 1529 war der Einspruch sechs evangelischer Fürsten und 14 Reichsstädte gegen den Mehrheitsbeschluss des Reichstags, der die Konzession von 1526 zurücknehmen wollte. Aus diesem Akt entstand der Begriff „Protestanten”.
Warum tagten so viele Reichstage in Speyer?
Speyer war Freie Reichsstadt mit guter Verkehrsanbindung am Rhein, hatte den Dom und ausreichend Infrastruktur. Ab 1527 saß zudem das Reichskammergericht in der Stadt.
Welche Konfessionen lebten in Speyer?
Lutheraner, Katholiken und eine kleine calvinistische Gemeinde. Speyer war zeitweise tri-konfessionell, dazu existierte eine jüdische Gemeinde.
Wo erinnert heute etwas an die Protestation?
Die Gedächtniskirche, eingeweiht 1904, ist das zentrale Denkmal. Ihr Turm gehört zu den höchsten Kirchtürmen der Pfalz.
Wann wurde Speyer offiziell evangelisch?
In der Mitte des 16. Jahrhunderts. 1540 wurde mit Michael Diller der erste evangelische Pfarrer angestellt, wenig später trat die Stadt offiziell zur lutherischen Lehre über.
Touren & Tickets
Speyer und die Reformation
Bei einem Rundgang durch die Altstadt erlebst du die Orte, an denen die Reformationsgeschichte Speyers geschrieben wurde.
* Touren & Tickets von GetYourGuide. Beim Buchen über die Marker erhalten wir eine Provision, du zahlst keinen Cent mehr.