Wissenswertes
Die Hexenverfolgung in Speyer
Die Hexenverfolgung der frühen Neuzeit erreichte auch Speyer. Vor allem im 16. und 17. Jahrhundert kam es zu Prozessen, in denen meist Frauen unter Folter Geständnisse abgelegt und anschließend hingerichtet wurden. Die Forschung hat in den letzten Jahrzehnten begonnen, die Schicksale aufzuarbeiten.
Die Hexenverfolgung der frühen Neuzeit war ein europaweites Phänomen, das auch das mittelalterliche und frühneuzeitliche Speyer erfasste. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert wurden Menschen, meist Frauen, der Hexerei beschuldigt, unter Folter zu Geständnissen gezwungen und hingerichtet. Die historische Forschung hat in den letzten Jahrzehnten begonnen, die Schicksale aufzuarbeiten und die strukturellen Bedingungen zu verstehen.
Ursprünge der Verfolgung
Die ersten dokumentierten Hexenprozesse in Speyer fielen ins 16. Jahrhundert. Sie begannen mit Verdächtigungen aus dem Umfeld der Beschuldigten: Nachbarn, ehemalige Bekannte, manchmal Familienmitglieder beschuldigten Personen, mit teuflischen Kräften Schaden angerichtet zu haben.
Eine entscheidende Rolle spielten Gerüchte und Denunziationen. In einem Klima aus Aberglaube, Angst und sozialem Misstrauen reichte oft eine vage Behauptung, um ein Verfahren in Gang zu setzen. Die kirchliche und weltliche Autorität nahm solche Anschuldigungen ernst, weil Hexerei als reale Bedrohung galt und als Häresie verstanden wurde.
Prozesse und Opfer
Die Verfahren folgten meist einem ähnlichen Muster: Verhaftung der Beschuldigten, Verhör, Folter zur Erpressung eines Geständnisses, Urteil, Hinrichtung. Übliche Foltermethoden umfassten:
- Daumenschrauben
- Streckbank
- Wasserfolter
- Brennen mit heißem Eisen
Unter solchen Bedingungen waren Geständnisse vorhersehbar. Wer durchhielt, wurde oft trotzdem verurteilt; wer gestand, wurde fast immer hingerichtet.
Die genaue Opferzahl in Speyer ist nicht vollständig dokumentiert, da viele Akten verloren gingen. Klar ist, dass die Verfolgung über Jahrzehnte ging und mehrere Dutzend Menschen das Leben kostete.
Rolle von Aberglaube und Gesellschaft
Der Volksglaube an Schadenzauber war im 16. und 17. Jahrhundert allgegenwärtig. Missernten, Krankheiten, plötzliche Todesfälle wurden häufig dämonischen Kräften zugeschrieben. In Zeiten von Hungersnöten, Krieg — wie etwa dem Dreißigjährigen Krieg — und Pest suchten Gemeinschaften nach Sündenböcken, und die Hexe war eine gesellschaftlich verfügbare Figur.
Denunziationen entstanden oft aus persönlichen Konflikten, Neid oder wirtschaftlichen Spannungen. Wer als Außenseiter wahrgenommen wurde, war besonders gefährdet: alleinstehende ältere Frauen, Hebammen, Heilkundige, sozial Marginalisierte.
Juristische Rahmenbedingungen
Die rechtliche Grundlage der Verfolgung lieferte unter anderem der Hexenhammer (Malleus Maleficarum) von Heinrich Kramer, ein Handbuch für Inquisitoren von 1486. Es legte Methoden zur Identifikation und Verurteilung von Hexen fest und wurde in vielen Prozessen praktisch angewandt.
Die Prozesse wurden teils von kirchlichen, teils von weltlichen Gerichten geführt. In Speyer war die juristische Lage durch das Reichskammergericht und die Bischöfliche Gerichtsbarkeit komplex. Die Inquisition spielte eine Rolle, hatte aber im durch die Reformation protestantisch gewordenen Speyer nicht mehr die Bedeutung wie in katholischen Regionen.
Das Ende der Verfolgung
Die Hexenverfolgung endete nicht mit einem klaren Datum, sondern verschwand allmählich mit der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Skepsis gegenüber Folter und Geständnissen, neue rechtsphilosophische Ansätze und ein wachsender Vernunftbegriff machten die Prozesse zunehmend unhaltbar. Die letzten Hexenprozesse in deutschsprachigen Gebieten fanden im späten 18. Jahrhundert statt.
Aufarbeitung und Erinnerung
Seit dem späten 20. Jahrhundert haben Historikerinnen und Historiker begonnen, die Hexenverfolgung systematisch zu erforschen. In vielen Städten wurden die Opfer posthum rehabilitiert und Gedenkstätten eingerichtet. Auch in Speyer ist die Erinnerung Teil der historischen Aufarbeitung — im weiteren Kontext des konfessionellen Konflikts, der schon die Zeit um den Kaiserdom prägte.
Häufig gestellte Fragen
Wann fanden in Speyer Hexenprozesse statt?
Vor allem im 16. und 17. Jahrhundert, mit Ausläufern bis ins 18. Jahrhundert.
Wer wurde beschuldigt?
Überwiegend Frauen, oft sozial schwach gestellt: alleinstehende ältere Frauen, Hebammen, Heilkundige, Außenseiterinnen. Vereinzelt auch Männer.
Welche Foltermethoden wurden angewendet?
Daumenschrauben, Streckbank, Wasserfolter und Brennen mit heißem Eisen waren verbreitet. Sie dienten der Erpressung von Geständnissen.
Welche Rolle spielte der Hexenhammer?
Das 1486 verfasste Handbuch von Heinrich Kramer war eine zentrale theoretische und praktische Grundlage für Hexenprozesse in ganz Europa.
Wie viele Opfer gab es in Speyer?
Genaue Zahlen fehlen aufgrund unvollständiger Quellen. Schätzungen sprechen von mehreren Dutzend Hingerichteten in Speyer und Umland.
Warum endete die Verfolgung?
Die Aufklärung brachte Skepsis gegenüber Folter und Aberglauben, juristische Reformen und einen veränderten Vernunftbegriff. Die Verfolgung verschwand schrittweise im 18. Jahrhundert.
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Hexenverfolgung in Speyer
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